Was ist der Malort?

Der Malort 45b in Kassel ist einer von vielen Malorten weltweit.
"Malort" ist der Name für ein von Arno Stern bereits vor 50 Jahren entwickeltes Konzept.
Bei Arno Sterns mehrtägigem Besuch in Kassel im Sommer 2006 ist in verschie-denen Vorträgen und Gesprächen an Universität und Schule die Radikalität dieses Konzeptes deutlich geworden. Der Begründer des Malortes wies immer wieder auf den spezifischen Charakter dieses Konzeptes hin und auf die Gefahr der (meist therapeutisch motivierten) Vereinnahmung.
Was sind die Charakteristka dieses Konzeptes?

Gerade wenn es um die Tätigkeit des Malens geht sind wir von vielfältigen Ansprüchen und Urteilen belastet. Immer gibt es mehr oder minder klare Vorbilder, die unser Tun bestimmen. Das Ergebnis unseres Malens sollte, wenn es vielleicht auch nicht den Status von Kunst erreicht, doch wenigstens von einem besonderen Können des Autors zeugen. Solche Ansprüche machen uns befangen.
Unsere Bemühung beim Malen zielt meist auf einen mehr oder minder konkreten Adressaten, dessen imaginierte Reaktion (Lob, Tadel, Unverständnis usw.) unser Tun bestimmt.
Den Malprozess von diesen Urteilen und Erwartungen zu befreien, damit anderes sich zeigen kann, ist wesentlicher Anspruch des Malort-Konzeptes.

Es gehört zu den Regeln des Malortes, dass über Bilder nicht geredet wird, weder über die eigenen noch über die der anderen: kein Kommentar, keine Interpretation, keine Bewertung, kein Lob, kein Tadel. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, sind wir doch in unserer Kultur in hohem Maße darauf konditioniert, all unser Tun auf einen mehr oder weniger strengen Bewertungskontext auszu-richten. Für manchen ist es einfacher getadelt zu werden als auf jeglichen Kommentar zu verzichten. Doch allmählich verblassen mit dem Ausbleiben äußerer Kommentare und Bewertungen auch die inneren, die ständig unser Tun reglementieren. Dieser Prozess braucht Zeit und Geduld.

 

Raum und Malmaterialien

Der Raum des Malortes ist fensterlos und bietet Platz für 8 bis 10 Malende.
Die Wände, auf die die Malpapiere geheftet werden, sind komplett mit Packpapier ausgekleidet.
In der Mitte des Raumes steht der Palettentisch mit 18 verschiedenen Gouachefarben, denen jeweils ein großer und zwei kleinere Pinsel und ein Becher mit Wasser zugeordnet sind.
Gemalt wird auf 70x50 cm großen Papierbögen,die beliebig nach allen Seiten hin zu größeren Bildflächen aneinandergeheftet werden können.

Die Altersunterschiede der Malenden sollen möglichst groß sein (von 4 bis 100 Jahre), da dies von vorn herein Konkrrenzgefühle reduziert.
Der "Dienende" ist innerhalb der Gruppe die Bezugsperson, die für einen optimalen Umgang mit den Materialien und für die Einhaltung der Spielregeln sorgt.
Gemalt wird in der Regel 1 mal pro Woche 90 Minuten.
Da es in dem Malortgeschehen durchaus auch darum geht, Widerstände zu überwinden, sollte man sich mindestens für ein halbes Jahr anmelden.

 

Regeln

Wir bemühen uns um möglichst große Altersunterschiede unter den Malenden einer Gruppe. Das wirkt Konkurrenzdenken von vornherein entgegen. Während im Umgang mit den Materialien und dem Dienenden Regeln mit einer gewissen Strenge einzuhalten sind, soll in bezug auf das zu Malende völlige Freiheit herrschen. Deshalb ist jeglicher Kommen tar zu den Bildern zu unterlassen. Weder Lob noch Tadel sind gefragt.
Die Regeln bewirken eine gewisse Klarheit und auch Geborgenheit im Mit-Sein mit den anderen. Das hilft im Fürsich-Sein im Malprozess, die völlige Freiheit von Ansprüchen (Kunst, Können) zu genießen.

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